Ich konnte schon einige Permakulturprojekte planen und auch umsetzen. Sowohl von mir selbst, als auch von anderen Menschen.

Und immer standen an erster Stelle die ökologischen Aspekte. Die Erhöhung der Biodiversität, den Aufbau des Bodens, die schonende Nutzung von Ressourcen. An zweiter Stelle erfolgt die soziale Komponente. Die sinnvolle Arbeit, die Freude an der ästhetischen Wildheit und der Raum für das Zusammensein. An dritter und letzter Stelle folgte dann die Ökonomie. Was produziert der Garten, wieviel Ertrag bringt uns die Fläche.

Das war für mich auch immer sehr stimmig, diesen Punkt als letzten zu nehmen. Vor allem die ersten beiden Punkte wollte ja genährt werden. Das Geld habe ich mir an anderen Orten verdient. Und wir haben ja auch viel geerntet. In grösseren Gärten ist der Sommer jeweils eine Zeit der Fülle und es muss nur wenig dazugekauft werden.

Aber immer wieder hat mich die Frage beschäftigt, wie produktiv Permakultur denn sein kann. Die Beispiele von finanziell Ertragreichen Permakulturlandschaften ist nämlich verschwindend gering. Mein Gefühl sagt mir, dass viele erfolgreiche Projekte unter anderem von der Wissensvermittlung, Subventionen, günstigen Hilfspersonal oder Quersubventionierung leben und nicht primär vom Verkauf von Produkten.

Wie gesagt, das muss es auch nicht unbedingt. Aber nach meinem Bauchgefühl und meiner Erfahrung können Permakultursysteme wirklich sehr produktiv sein und gleichzeitig ökologisch und sozial wertvoll sein.

Wenn wir also mit der Permakultur eine echte Alternative zur "herkömmlichen" Landwirtschaft bieten wollen, müssen wir auch zeigen, dass es sich lohnt umzusteigen.

Genau an diesem Punkt möchte ich mit meinem Gartenprojekt ansetzen.

Warum mein Projekt kein Permakulturprojekt ist

Bei diesem Projekt habe ich bei der Planung mich von verschiedenen, produktiven System leiten lassen. Wie bereits in früheren Beiträgen ist die Farm von Jean-Martin Fortier eine grosse Inspiration.

Wenn ich nun diese Farm mit meinen früheren Gärten vergleiche, hat dies wenig gemeinsam. Meine Gärten waren immer mehr oder weniger wild, seine Farm dagegen gradlinig und auf eine gewisse Art "unnatürlich".

Aber ich muss auch sagen, dass in meinen Gärten das Jäten jeweils viel Zeit in Anspruch nahm. Meist soviel, dass ich nie das Gefühl hatte, alles erledigt zu haben.

Auch hatte ich immer an so vielen Ecken gleichzeitig zu tun, dass es schwierig war, den Überblick zu behalten.

Dieser Garten soll dort ansetzen. Ich möchte einen "einfachen" Garten haben, bei dem ich weiss, was wann zu tun ist. Ich möchte Freizeit haben und nicht das Gefühl haben, immer nur das nötigste machen zu können. Und ich möchte einen echten Überschuss produzieren. Am liebsten so viel, dass ich nicht mehr weiss wohin damit.

Deshalb habe ich für dieses Gartenprojekt einiges anders gemacht und deshalb sieht auch mein Garten nicht nach einem typischen Permakulturgarten aus.

Warum mein Projekt ein Permakulturprojekt ist

Um herauszufinden ob das Projekt nun ein Permakulturprojekt ist, müssen wir erstmals wissen, was denn ein Permakulturprojekt ausmacht.

Antworten auf diese Frage sind so vielfältig wie die Menschen die darüber eine Meinung haben. Für mich macht die dahinterliegenden Ideen und somit Menschen ein Permakulturprojekt aus. Was sind die Ziele des Projekts, welche Muster sind zu finden, welche Permakulturprinzipien sind in der Gestaltung und Umsetzung zu finden.

Anhand eines Schnappschusses ein Projekt zu bewerten geht irgendwie nicht. Ein gesundes Projekt befindet sich in einem Prozess. Genauso wie wir versuchen die natürlichen Kreisläufe zu imitieren, befindet sich auch ein Projekt in einem Kreislauf. Alle Komponenten sind in steter Bewegung und wenn diese Bewegungen zusammen wieder in die Gestaltung resp. Projektplanung fliessen, dann kann es sich auch um ein Permakulturprojekt handeln.

Meine Argumentation also dafür, dass mein Projekt angewandte Permakultur ist:

Ich bin mir bewusst, dass dies nicht für alle ausreichende Argumente sind, weshalb mein Projekt deshalb Permakultur sein soll. Aber das ist auch okay. Es steht für mich nicht im Vordergrund, dass das (nicht existierende) Label "Permakultur" drauf steht.

Natürlich ist vieles noch nicht so, wie ich es mir schlussendlich vorstelle und Wünsche. Mein Garten ist aber auch erst knapp zwei Monate alt.

Ich freue mich jedenfalls darauf, was noch alles daraus entstehen wird!