Ich gebe zu, ich bin ziemlich skeptisch, was die Wirksamkeit unserer Politik in der Schweiz betrifft.

Unser politisches System gewichtet meiner Meinung nach die Wirtschaft viel zu stark und vernachlässigt die Sorge um Mensch und Natur.

In den Medien habe ich von diesem luxemburgischen Konzern «Socfin» gelesen. Dieser wird von der Organisation «Brot für Alle» kritisiert, in Liberia Bauern vertrieben zu haben um seine Kautschuk und Palmölplantagen vergrössern zu können.

Ein pikantes Detail ist der Claim von der Firma «Responsible tropical agriculture».

Ich möchte an dieser Stelle nicht darüber urteilen, ob dies der Wahrheit entspricht oder nicht, dazu fehlt mir das Hintergrundwissen.

Die Politik wagt sich aber nicht, solche Firmen für ihre Taten zur Verantwortung zu ziehen. Sie fürchten sich vor der schwächung der Politik, davor dass vielleicht Firmen ihren Sitz und damit ihre Steuern aus der Schweiz verlagern könnten.

Geschichten wie diese sind keine Seltenheit.

Der Hunger nach mehr Produktionsfläche von Grosskonzernen scheint unstillbar und jedes Mittel zum Zweck scheint recht zu sein.

In der Frage der Verantwortlichkeit wird aber die Schuld immer hin und her geschoben. Firmen argumentieren, dass sie nur nach der Nachfrage auf dem Markt handeln, für Konsumenten scheint das Verweigern eines Produktes ein zu geringer Einfluss zu haben.

Für mich tragen beide Seiten einen Teil der Verantwortung.

Wir Konsumenten sind faul. Wie die Bezeichnung Konsument schon aussagt, werden wir reduziert auf den Konsum. Und Konsum hat für mich ganz stark den Nachgeschmack von einer Durchlaufwirtschaft.

Wir kaufen und werfen wieder weg. Wir erwarten von einem Geschäft, dass es uns das bietet, was wir möchten. Wir schauen nicht hinter die Fassaden und prüfen nicht nach.

Für ein kleines Geschäft mit einer persönlichen Beziehung des Geschäftsführenden zu seinen Kunden ist es essentiell, dass diese Beziehung nicht durch schlechte Qualität getrübt wird. Für grössere Konzerne scheint dies nicht zu gelten. Und je mehr Zwischenhändler im Spiel sind, desto weniger kann diese Kette kontrolliert werden.

Es bleibt uns «Konsumenten» also nicht viel mehr übrig, als auf Labels zu vertrauen oder bewusst direktere Beziehungen zu Produzenten und Herstellern zu pflegen.

Die meisten von uns sind nämlich nebst Konsumenten auch Produzenten. Wir arbeiten gegen Geld bei einer Firma, welche etwas produziert oder eine Dienstleistung anbietet.

Auch wir haben eine Verantwortung für unsere Arbeit. Das kann sein, sich in der Firma nach Möglichkeiten an Entscheidungen zu beteiligen und die eigene Stimme zu erheben wenn etwas nicht gerecht erscheint.

Wenn wir alle immer nur das Gefühl haben ein unbedeutendes Zahnrad in einer Maschinerie zu sein, wird sich nie etwas ändern. Wenn wir gerade bei diesem Beispiel bleiben; ein einzelnes Zahnrad kann eine komplette Maschine blockieren.

Es ist mir klar, dass nicht alle über den Luxus verfügen, ihre Arbeit und damit einen Teil ihrer Lebensgrundlade auf die Linie zu stellen.

Es sollte uns aber allen klar sein, dass wir nicht so weitermachen können. Und jeder einzelne Schritt zählt.

Wenn wir also all unsere Lebenslust und Liebe zusammennehmen und Verantwortung für unser Leben übernehmen, können wir an der Welt arbeiten, die wir uns für uns und unsere Kinder wünschen!

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